Früherkennung und Risikomodifikation bei psychosomatischen Störungen – Ergebnisse eines Frühinterventionsprogramm der Gmünder Ersatzkasse und der AHG Klinik Waren

3. Nationaler Präventionskongress  vom 27. Bis zum 28. November 2009 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden (Posterpräsentation)

Manfred Zielke2, Albrecht Schumacher1, Otmar Kristof1

1 AHG-Klinik Waren
2 Baltic Bay Clinical Consulting,  Mönkeberg (bis 8/2009 Wissenschaftsrat der AHG AG

 

Problemstellung: Die Krankheitsanamnesen von Patienten mit psychischen Erkrankungen betragen nach wie vor etwa 7 Jahre bis zum Beginn qualifizierter psychotherapeutischer Behandlungen. Solche Krankheitskarrieren sind mit enormen Kosten für das Gesundheitssystem verbunden.

Zielsetzung: Zur Prävention von Chronifizierungsprozessen wurde zwischen der Gmünder Ersatzkasse (GEK) als Leistungsträger und der AHG Klinik Waren ein „Intensivprogramm zur Risikomodifikation bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen“ entwickelt und umgesetzt.

Methode: Versicherten der GEK mit beginnenden Krankschreibungen infolge ausgewählter psychischer Erkrankungen (F-Diagnosen) wurde die Möglichkeit eröffnet, eine sechswöchige stationäre Behandlung nach dem vorgenannten Konzept zu absolvieren. Die Wirksamkeit der Intervention wurde mit Hilfe eines Kontrollgruppenplans während drei Folgejahren untersucht.

Ergebnisse und Bewertung: 300 Patienten nahmen an der Frühintervention teil. Die der Behandlung vorausgehende Krankheitsdauer betrug lediglich noch 4,4 Jahre. Innerhalb des ersten Jahres nach der Manifestation der Symptomatik wurden 51,8%  der Patienten erreicht.

Die Effektstärken zur Verringerung der Depressivität sind mit ES=0,76 ausgesprochen hoch. Im 3-Jahreskatamnesezeitraum ergeben sich starke Unterschiede  im Vergleich zur Kontrollgruppe im Medikamentenverbrauch und bei den Krankschreibungen (Arbeitsunfähigkeit, Krankenhausaufenthalte). Der Anteil der Renten wegen Erwerbsunfähigkeit war um über 30% geringer als in der Kontrollgruppe.

Das Frühinterventionsprogramm mit einem aktiven Zugehen auf die Betroffenen erweist sich als hoch wirksam, kostensparend und präventiv.

Literatur

Schumacher A, Kristof O, Zielke M (2011) Früherkennung und Risikomodifikation bei psychosomatischen Erkrankungen – Struktur, Indikation, Ergebnisse. In Zielke M (Hrsg.) Indikation zur stationären Behandlung und Rehabilitation bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Pabst Science Publishers, Lengerich.

Zielke M, Herder F, Glahn N (2000) „Intensivprogramm zur Risikomodifikation bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen (IPR). Therapiekonzept als spezifisches Leistungsangebot für die GEK“ Internes Programmkonzept.