Benchmarking in der verhaltensmedizinischen Rehabilitation psychischer und psychosomatischer Erkrankungen auf der Basis von Qualitätsbeurteilungen durch Patienten mit Hilfe verschiedener Berechnungsverfahren

Manfred Zielke

Baltic Bay Clinical Consulting Mönkeberg

(Erschienen in DRV Bund und DRV Oldenburg-Bremen (Hrsg) (2008) 17. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Evidenzbasierte Rehabilitation – zwischen Standardisierung und Individualisierung (S. 153-154). DRV-Schriftenreihe Bd. 77.)

Kurzfassung

Problemstellung: Vor allen methodischen Erörterungen über die Wege von Klinikvergleichen rangiert die Auswahl der Kriterien und die damit verbundenen Messinstrumente an erster Stelle. Die Qualitätsbeurteilungen durch Patienten müssen den Gütekriterien psychologischer Messverfahren genügen und vor allem qualitätsrelevante und handlungsrelevante Merkmale der Rehabilitation erfassen. Weiterhin müssen empirisch begründete Anhaltspunkte dafür gefunden werden, ob direkte (naive) Vergleiche oder risikoadjustierte Vergleiche zu unterschiedlichen Ergebnissen führen und welche Risikomerkmale dabei zu berücksichtigen sind.

Methodik: Auf der Basis des Rehabilitationsjahrgangs 2006 wurden die Patientenbefragungen mit Hilfe des Fragebogens „Qualitätsbeurteilungen durch Patienten QbP“ von 6.154 stationären Rehabilitationsverläufen aus 7 verhaltensmedizinischen Kliniken als Vergleichsgrundlage verwendet. Der QbP umfasst 4 Skalen zur Konzeptqualität, 3 Skalen zur Servicequalität und 2 Skalen zur Ergebnisqualität, die ergänzt werden durch 3 Skalen zur Ergebnisqualität aus der Perspektive der stationären Behandler.
Bei einem signifikanten Overall-Test zu jeder Skala wurde jede Klinik mit den Anderen verglichen und die Ergebnisse gewichtet (schlechter=0 Punkte, gleich=1 Punkt, besser=3 Punkte). In einem zweiten Schritt wurden risikoadjustierte Vergleiche unter Hinzuziehung klinisch relevanter Merkmale durchgeführt Alter, Geschlecht, Dauer seit Erstmanifestation, Behandlungsdauer, Rentenstatus, Anzahl psychischer Diagnosen, Anzahl somatischer Diagnosen, AU in den letzten 12 Monaten, Kostenträger.

Ergebnisse: Das Benchmarking führt zu einer ausreichenden Differenzierung zwischen den Kliniken. Die einzelnen Qualitätsbereiche verteilen sich über die Kliniken nicht uniform. So rangiert z.B. die Klinik B bei der Konzeptqualität auf dem 3. Platz, bei der Servicequalität auf dem 7. Platz und bei der Ergebnisqualität auf dem 4. Platz. Die Risikoadjustierung wird von den Kliniken als „gerechter“ betrachtet. Die Differenzierungen zwischen den Kliniken werden eindeutiger. Die Rangfolge der Kliniken verändert sich nur marginal; allerdings werden die Abstände zwischen den Kliniken vor allem in den Extrembereichen grösser.Eine Zusammenhangsanalyse der Risikomerkmale mit den Qualitätsbereichen hat die Zulässigkeit der Merkmale weitestgehend bestätigt.

Diskussion und Schlussfolgerungen: Qualitätsrelevante Befragungen eignen sich als Grundlage für ein klinisches Benchmarking. Die Positionierungen der Kliniken sind ein fundiertes Arbeitsmaterial, von den Besten zu lernen, wenn die Kriterien und die Auswertungsmethodik von allen Beteiligten akzeptiert wird. Es wäre zu wünschen, ein solches Benchmarking auf eine breitere Basis von Kliniken zu stellen.

Schlüsselwörter
Benchmarking
Psychosomatische Rehabilitation
Risikoadjustierung

Literatur

Wegscheider K (2004) Methodische Anforderungen an Einrichtungsvergleiche („Profiling“) im Gesundheitswesen. Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualitätssicherung im Gesundheitswesen, 98: 647-654.

Zielke M (Hrsg.) (2006) Qualitätsbeurteilungen durch Patienten – Konzepte, Entwicklungen und Ergebnisse. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Bd. 71.Pabst Science Publishers, Lengerich.