The „Betters Fallacy“: Zum Risikoübergang von Sportwetten zu glücksspielbezogenem Suchtverhalten in Sportvereinen

Manfred Zielke, Johanna Meyer
Baltic Bay Clinical Consulting BBCC, Mönkeberg
Institut für Psychologie der Christian-Albrechts-Universität, Kiel

(erschienen in: Zielke M., Wittmann W.W. (Hrsg.), The „Betters Fallacy“: Zum Risikoübergang von Sportwetten zu glücksspielbezogenem Suchtverhalten in Sportvereinen. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 2016, Heft 97, S. 13 - 30)

 

Kurzfassung

Sportwetten sind aufgrund ihrer Veranstaltungsmerkmale, wie hohe Verfügbarkeit und Ereignisfrequenz, (vermeintliche) Kompetenzeinflüsse auf das Spielergebnis und Verknüpfung mit sportlichen Interessen, besonders reizvoll für potenzielle Spieler. Mit den Spielanreizen steigt allerdings auch das Risiko, ein glücksspielbezogenes Suchtverhalten zu entwickeln. In diesem Beitrag wird  untersucht, inwieweit sich ein Risikoübergang von Sportwetten zu glücksspielbezogenem Suchtverhalten in Sportvereinen abzeichnet, der in Anlehnung an das Konzept des „Gamblers Fallacy“ als „Betters Fallacy“ bezeichnet werden kann.
Über die Einordnung der Sportwette als Glücks- und/oder Geschicklichkeitsspiel wurde viel diskutiert. Manche Experten sind der Auffassung, dass ein Spieler durch gewisse Vorkenntnisse seine Chancen auf einen Gewinn entscheidend verbessern könne. Im Gegensatz zu reinen Glücksspielen wie Roulette werden Sportwetten demzufolge als strategisches Spielen angesehen. In den Augen der meisten Sportfans und Glücksspieler sind erfolgreiche Sportwetten abhängig vom „Wissen über den Sport“ und dem „Sammeln von Informationen über die Liga“ mit Hilfe von Zeitschriften und anderen Medien. Diese Ansichten implizieren, dass Sportexperten im Wetten besser abschneiden als Laien.
Nach Sichtung der nationalen und internationalen Forschungsergebnisse erweist sich dieser vermeintliche Wissens- und Kenntnisvorsprung der Sportwetter als Fehlannahme. Mitglieder von Sportvereinen üben exorbitant häufig Sportwetten aus, sie haben ein mehrfach erhöhtes Risiko zur Ausbildung eines problematischen Wettverhaltens, eines problematischen Glücksspielverhaltens (4-fach erhöht) und eines pathologischen Glücksspielverhaltens (3-fach erhöht). Sportwetter unterliegen den gleichen Fehleinschätzungen und riskanten Verhaltensmustern, wie man sie
bei Glücksspielern („gamblers fallacy“) vorfindet.
Daraus lässt sich ein ausgeprägtes Gefährdungspotenzial der Sportwetter ableiten („betters fallacy“), insbesondere, wenn sie selbst sportbegeistert sind. Präventive Maßnahmen, die sich speziell an Sportvereine und deren Mitglieder richten, sind dringend geboten!

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