Praxis klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation

Konzepteditorial

Als erste Zeitschrift in Deutschland hat die „Praxis...“ damit begonnen, die einzelnen Quartalshefte als Schwerpunktthemen mit jeweils spezifischen Herausgebern zu konzipieren. Dieses Konzept hat viele Nachahmer gefunden, weil es eine kundenorientierte Innovation darstellt.

Die im Editorial von 1988 genannten Grundsätze, zu deren Verbreitung, Förderung und Weiterentwicklung sich der Herausgeber und der wissenschaftliche Beirat verpflichteten, haben an Aktualität bislang nichts eingebüßt:

Praxisnähe

In Abgrenzung zu Zeitschriften mit einem eher methodisch-wissenschaftlichem Standard werden überwiegend anwendungsbezogene Fragestellungen veröffentlicht, die sich aus der klinischen Versorgung ergeben. Eine Vielzahl der Arbeitsthemen im Rahmen der rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbünde hat diese Entwicklung aufgegriffen.

Die „Praxis...“ versteht sich als Brückenschlag zwischen anwendungsbezogenen Forschungsfragestellungen und den Erfahrungen und Erfordernissen der klinischen Praxis.

Kooperation

Die von Verantwortung, Fürsorge, Fachwissen und Erfahrung getragene Behandlung und Rehabilitation von Kranken macht es notwendig, über die Begrenzung der jeweils eigenen Fachdisziplin hinaus mit allen Fachgruppen zusammenzuarbeiten. Das Austragen berufsständischer Interessen oder gesundheitspolitischer Zielsetzungen darf nicht auf dem Rücken von Patienten ausgetragen werden. Die „Praxis...“ fördert pragmatische Formen effizienter Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachdisziplinen, die eine maximale Ausschöpfung der Kompetenz aller an der Krankenversorgung Beteiligten sicherstellen.

Handlungsorientierung

Nicht wenige wissenschaftliche Arbeiten, die sich aus ihrem eigenen Verständnis heraus durchaus als klinisch orientiert verstehen, kommen aus der Begrenzung klinischer Grundlagenarbeiten nicht hinaus und liefern nur selten handlungsorientiertes Wissen für die Versorgung. Der klinisch tätige Praktiker befindet sich jedoch im Umgang mit Patienten in einem Handlungszwang, aus dem heraus pragmatische und verantwortbare Handlungs- und Behandlungsschritte abgeleitet werden müssen. Hier fühlt sich der Praktiker häufig allein gelassen und ist nicht selten unsicher, ob das, was er tut, eigentlich theoretisch gerechtfertigt ist. Die „Praxis...“ fördert ein spezifisches Selbstverständnis klinischer Praktiker, indem sie handlungsorientierte Fragestellungen aufgreift und bevorzugt veröffentlicht.

Chronische Krankheiten und Behandlungsverläufe

Selbst der „Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen“ hat eine Schwerpunktverlagerung der akutmedizinischen Versorgung hin zur Behandlung und Rehabilitation chronischer Krankheiten gefordert. Gerade bei chronischen Erkrankungen treffen die sehr effizienten Behandlungsansätze der Akutmedizin an ihre Grenzen, weil der Behandlungsgegenstand nicht mehr nur die Beseitigung von organischen Funktionsausfällen oder Funktionseinschränkungen beinhaltet, sondern wesentlich darauf ausgerichtet sein muß, langfristig stabile Verhaltensänderungen zu erzielen und Patienten mit chronischen Erkrankungen einen anderen Umgang mit ihrer Erkrankung zu vermitteln. Die „Praxis...“ sieht hier eine gesundheitspolitische Aufgabe, die Übergänge zwischen den bewährten Methoden der Akutmedizin und den wirksamen Ansätzen der Rehabilitation zeitnah sicherzustellen.

Aufgreifen zukunftsweisender Themen

Das Konzept des „Chronischen Krankheitsverhaltens“ als klinische Entwicklung eines wegweisenden Krankheitsparadigmas hat mit Veröffentlichungen in der „Praxis...“ seinen Anfang genommen und ist heute als selbstverständliches Begriffsinventar etabliert. Die Entwicklung und die Darstellung störungsspezifischer Behandlungskonzepte in der verhaltensmedizinischen Psychosomatik steht in einem engen Zusammenhang mit den Publikationsmöglichkeiten in der „Praxis...“ Als erste verhaltensmedizinische Zeitschrift haben wir uns mit den Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen beschäftigt – damals fast noch ein Sakrileg unter Verhaltenstherapeuten – und das Thema der Posttraumatischen Belastungsstörungen nach sexuellen Gewalterfahrungen aufgegriffen. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

So ist z. B. das Themenheft zur „Arbeitsplatzbezogenen Psychosomatik“ nach Einschätzung des Herausgebers aus dem Jahr 2000 der Beginn einer Entwicklung, in deren Verlauf die Arbeitswelt der uns anvertrauten Patienten einen mindestens ebenso großen Stellenwert gewinnen wird wie die Regulationsmodi im Umgang mit Emotionen oder die Art der Beziehungsgestaltung.

Lösungsorientiertes Handeln

Das Arbeitsverständnis der „Praxis...“ ist darauf ausgerichtet, lösungsorientiertes Handeln in Forschung und Praxis zu fordern und zu fördern. Die dabei zugrundegelegte Forschung ist zweckorientiert; der Wert dieser Forschung resultiert aus ihren verwertbaren Ergebnissen!

Diese Verbindlichkeit zu lösungsorientiertem Denken und Handeln ist dem Herausgeber einmal auf einem Spruchband eines Müllcontainers in der Karibik begegnet, dessen Philosophie er sich seitdem nicht mehr habe entziehen können:

„If you are not a part of the solution, you are a part of the problem!”