Versorgungsforschung im Brennpunkt

Haifischbecken (Klick ins Bild)
Haifischbecken

Wann immer man sich auf das Feld der Versorgungsforschung begibt, kann sich ein solches Unterfangen wie ein Bad in einem Haifischbecken entwickeln, bei dem man die jeweiligen Kontrahenten (Gegner) nur verdeckt identifizieren kann.

Versorgungsforschung beschäftigt sich vor allem mit realen Versorgungsprozessen in einem realen Versorgungsfeld und nicht mit hoch selektiven Patientenstichproben unter streng kontrollierten Umsetzungsprozessen.

So hat zum Beispiel der Nachweis, dass die Verkürzungen der stationären Behandlungszeiten im Rahmen der psychosomatischen Behandlung eindeutig zu Lasten der Behandlungsergebnisse zu bewerten sind (Zielke und Wittmann 2009) zu heftigen Reaktionen geführt, je nachdem, wem die jeweiligen Ergebnisse nicht gefallen bis hin zu Positionierungen, dass man dies gar nicht wissen wolle.

Insgesamt ist es für den Herausgeber dieses Themenschwerpunktes zur ambulanten Psychotherapie verwunderlich, wie ausgesprochen karg Ergebnisse zur Versorgungsforschung in der ambulanten Psychotherapie gesät sind (Albani et al. 2009).

So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass die bislang einzige systematische Untersuchung über die Realität der ambulanten Psychotherapie der Gmünder Ersatzasse GEK aus dem Jahr 2007 mit einer heftigen Kritik an der Wirksamkeit ambulanter psychotherapeutischer Maßnahmen vehemente Reaktionen der Interessenverbände ambulanter psychotherapeutischer Versorger ausgelöst hat (Grobe, Dörning und Schwartz 2007).

Es ist an der Zeit, das reale Versorgungsgeschehen in der Krankenversorgung in Deutschland auf einer empirischen Basis ungeschönt zu untersuchen. Wann immer dies bisher geschah, wurden Versorgungsmängel offen gelegt und die jeweils betroffenen Versorger haben sich heftig und lautstark zu Worte gemeldet und behauptet, dass die Versorgungsrealität doch viel besser sei.

Es freut mich daher ganz besonders, dass es gelungen ist, für das vorliegende Schwerpunktthema Beiträger aus verschiedenen Versorgungsbereichen zur ambulanten Psychotherapie und zu einzelnen Versorgungsübergängen zu gewinnen und damit vielleicht einige Voreingenommenheiten zur ambulanten Psychotherapie und deren Übergänge von stationären Behandlungsbemühungen in ambulante Versorgungsprozesse zu erschüttern.

(Erschienen in Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 84, 2009, Pabst Science Publishers, Lengerich)

Literatur

Albani C, Blaser G, Geyer M, Schmutzer G, Goldschmidt S, Brähler E (2009). Wer nimmt ambulante Psychotherapie in Anspruch? Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie, 59, 281-283

Grobe T, Dörning H, Schwartz F W (2007). GEK-Report ambulante ärztliche Versorgung 2007. Schwerpunkt: Ambulante Psychotherapie. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse Band 59. Asgard-Verlag, St. Augustin

Linden M, Förster R, Oel M et al. (1993). Verhaltenstherapie in der kassenärztlichen Versorgung: Eine versorgungsepidemiologische Untersuchung. Verhaltenstherapie, 3, 101-11

Zielke M, Wittmann W W (Hrsg.) (2009). Behandlungsdauer und Behandlungsergebnisse: Ein Tabu auf dem Prüfstand der Psychotherapie- und Rehabilitationsforschung. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Band 83. Pabst Science Publishers, Lengerich