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Schweregrade des Krankheitsgeschehens in den 3 Folgejahren nach einer stationären Entwöhnungsbehandlung und langfristige Krankheitsverläufe

Manfred Zielke

Baltic Bay Clinical Consulting, Mönkeberg

(Erschienen in DRV Bund und DRV Oldenburg-Bremen (Hrsg) (2008) 17. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Evidenzbasierte Rehabilitation – zwischen Standardisierung und Individualisierung (S. 486-487). DRV-Schriftenreihe Bd. 77)

Kurzfassung

Problemstellung: Katamnestische Erhebungen der Krankheitsverläufe nach stationären Entwöhnungsbehandlungen beschränken sich weitgehend auf das poststationäre Absinenzverhalten. Welche Krankheitsprozesse mit welcher Intensität sich konsekutiv ereignen und welche Erkrankungen dabei von Bedeutung sind, ist weitgehend unbekannt. Solche Fragestellungen können nur in einer engen Kooperation der relevanten Stakeholder stattfinden.

Methodik: Bei einem kompletten Jahrgang aller Versicherten der DAK, die im Jahr 2002 eine stationäre Entwöhnungsbehandlung absolviert hatten (entweder zu Lasten der DAK oder der DRV) wurde das Krankheitsgeschehen in den Folgejahren 2003 bis 2005 hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeitsereignisse, wiederholter Rehabilitationsmassnahmen und der Krankenhausaufenthalte untersucht. Ziel der gegenwärtigen Untersuchung ist es, differenzielle Krankheitsverläufe zu identifizieren. Zunächst wurde eine Gruppenbildung danach vorgenommen, ob überhaupt ein Ressourcenverbrauch (AU, KH, Rehabilitation) in den drei Folgejahren stattgefunden hat. Weiterhin wurde eine Gruppenbildung nach Schweregraden des Ressourcenverbrauchs in Bezug auf alkoholbedingte Krankheitsereignosse (F10) vorgenommen und als dritte Auswertungsstrategie wurde untersucht, wie viele Patienten im dritten Folgejahr 2005 Krankheitsereignisse überhaupt und mit einer F-10-Diagnose assoziierte Krankheitsereignisse hatten. Zu allen Gruppierungen wurde das diagnosenspezifische AU-Geschehen im Verlauf seit 2 Jahren vor der Rehabilitation im Jahr 2000 bis zum dritten Folgejahr untersucht.

Ergebnisse: Schweregrad des Ressourcenverbrauchs zwischen 2003 bis 2005: Nur bei 10,3% der Stichprobe fand sich kein Krankheitsereignis in den Folgejahren; bei weiteren 25,0% gab es ein Ereignis in einem der drei Jahre, bei 41,6% in zwei der drei Jahre und Krankheitsereignisse in allen drei Jahren wurde bei 23,2% beobachtet.
Schweregrad des Ressourcenverbrauchs F10 zwischen 2003 bis 2005: Bei insgesamt 49,2% der Patienten konnte in den drei Folgejahren nach der Rehabilitation kein mit einer alkoholbezogenen Diagnose verbundenes Krankheitsgeschehen festgestellt werden. Unter Abhängigkeitsgesichtspunkten ist dies die erfolgreichste Patientengruppe.
Bei 11,3% gab es in einem der drei Jahre einen entsprechenden Ressourcenverbrauch, bei 28,9% in zwei der drei Jahre und bei 10,5% der Patienten trat in jedem Jahr ein Krankheitsereignis in Verbindung mit einer F10-Diagnose auf.
Schweregrad des Ressourcenverbrauchs F10 in 2005: Insgesamt 80,8% der Untersuchungsstichprobe hatten in 2005 keinen alkoholassoziierten Ressourcenverbrauch und bei 19,2% wurde auch im dritten Folgejahr mindestens ein Krankheitsereignis registriert, das mit einer DF10-Diagnose verbunden war. Das Krankheitsgeschehen ist in der rückfälligen Gruppe im gesamten Untersuchungsverlauf sei 2000 wesentlich ausgeprägter und nach der Rehabilitation zeichnet sich nach einer geringen Senkung der AU-Zeiten ein abermaliger erheblicher Anstieg. Neben mit F10 kodierten Erkrankungen finden sich gehäuft andere psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen, Krankheiten der Atmungsorgane, der Verdauungsorgane, des Herzkreislaufsystems, Erkrankungen des Skeletts, der Muskeln und des Bindegewebes sowie Unfälle und Verletzungen.

Diskussion und Schlussfolgerungen: Die Einteilung der Patientenstichprobe nach Schweregraden unter Verwendung von Ressourcenverbräuchen nach der Rehabilitation erweisen sich als sinnvolle und brauchbare Kriterien zur Ergebnisbewertung. Die Hälfte der Rehabilitanden hat in drei Folgejahren offensichtlich keinen Rückfall erlitten. Besonders die im letzten Untersuchungsjahr Rückfälligen zeigen ein geradezu explosionsartiges Krankheitsgeschehen mit Erkrankungen, die eng mit dem Alkoholkonsum assoziiert sind und vor allem von Depressionen und Angststörungen.

Schlüsselwörter
Entwöhnungsbehandlungen
Ergebnisevaluation
Sekundärdaten

Literatur

Zielke M, Herder F, Lebenhagen J, Reschenberg I, Weissinger V (2007) Krankheitsverläufe von Versicherten nach stationären Entwöhnungsbehandlungen auf der Basis von Sekundärdaten der DAK. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Supplement 2007. Pabst Science Publishers, Lengerich.

Zobel M, Missel P, Bachmeier R, Funke W, Garbe D, Herder F, Kersting S, Medenwald J, Verstege R, Weissinger V, Wüst G (2007) Effektivität der stationären Suchtrehabilitation – FVS-Katamnese des Entlassjahrgangs 2004 von Fachkliniken für Alkohol- und Medikamentenabhängige. Sucht aktuell, 1, 5-15.