Klinische Validierung des „Fragebogens zur Erfassung der Kompetenzen und Belastungen am Arbeitsplatz (KoBelA)“ an Hand des „Arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebensmusters (AVEM)“ und des „Instrumentes zur stressbezogenen Tätigkeitsanalyse (ISTA)“

Manfred Zielke1, Stefan Ledig2

1 Wissenschaftsrat der AHG AG, Mönkeberg
2 EMU-Systeme Berlin

(Erschienen in Zielke M. Leidig S (2006) KoBelA: Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur Erfassung der Kompetenzen und Belastungen am Arbeitsplatz. In Müller-Fahrnow W, Hansmeier T, Karoff M (Hrsg) (2006) Wissenschaftliche Grundlagen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (193-206). Pabst Science Publishers, Lengerich.)

Zielke M. Leidig S (2006) KoBelA: Entwicklung und Validierung eines Fragebogens zur Erfassung der Kompetenzen und Belastungen am Arbeitsplatz. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, 72, 184 –188.


Problemstellung: Nach wie vor existieren kaum zuverlässige Befragungsinstrumente zur Erfassung von Arbeitsbelastungen, die geeignet sind, klinisch relevante Zusammenhänge zwischen Arbeitsstressoren und Krankheitsentwicklungen aufzuzeigen. Auf diesem Hintergrund wurde auf der Grundlage einer Patientenstichprobe aus dem Bereich der stationären Psychosomatik ein Fragebogen entwickelt, der aus Vorversionen des „Fragebogens zur Erfassung der Situation am Arbeitsplatz“ (KOLA) von Koch und Laschinsky (1979) aufbaut und der um den Bereich „Gratifikationskontrolle“ erweitert wurde. Die dabei verwendeten theoretischen Konstrukte stützen sich auf die Arbeiten von Kern und Schumann (1970): Autonomie vs. Fremdbestimmtheit, Verantwortung tragen und Einfluss besitzen, Planung und Flexibilität, Beschaffenheit der Arbeit und (erweitert) Gratifikationskontrolle.

Methodik: 184 erwerbstätige Patienten wurden zum Behandlungsbeginn in drei psychosomatischen Fachkliniken u.a. hinsichtlich ihrer Arbeitsbelastungen mit verschiedenen Fragebögen untersucht (AVEM; KoBelA, ISTA). Es wurden dabei nur diejenigen Erwerbstätigen befragt, die zum Befragungszeitpunkt noch weitgehend im aktuellen Erwerbsleben standen. Patienten mit langen AU-Zeiten und langen Zeiten von Arbeitslosigkeit vor Aufnahme wurden nicht in die Untersuchung einbezogen, weil sie nach Einschätzung der Autoren über keine oder lediglich noch marginale aktuellen Erfahrungen aus dem täglichen Arbeitsalltag verfügen (184 von 304 Patienten). Nach einer Faktorenanalyse wurden die Gütekriterien des Fragebogens (Konsistenz, Reliabilität, Validität) untersucht.

Ergebnisse: Es wurden fünf Faktoren extrahiert: (1) „Interaktionelle Kompetenz und Verantwortung für Menschen“, (2) „Arbeitsplatzgefährdung und Abstiegsängste“, (3) „Arbeitsdruck und Überforderung“, (4) „Gratifikationskontrolle“ und (5) „Körperliche Arbeit und Materialhandhabung“. Faktor 1 beinhaltet positive soziale und interaktionelle Konnotationen zum Arbeitsleben. Die Faktoren 2 und 3 beschreiben subjektive Bedrohungen, die infolge von Änderungskündigungen und Arbeitsplatzverlusten in Zeiten wirtschaftlicher Krisen zunehmen und in deren Konsequenz zugleich der Handlungsspielraum zur Bewältigung der Bedrohungen eingeschränkt ist. Der Faktor 4 stellt den Aspekt der Kontrolle über das berufliche Fortkommen und die berufliche Abgesichertheit dar und Faktor 5 das Ausmass an körperlicher Belastung.

Die internen Konsistenzen der Skalen erweisen sich als gut (α= .8840 bis .7369). Die Übereinstimmungsvalidität mit Skalen des ISTA und des AVEM ist ausgeprägt und die Koeffizienten unterstützen die Konstruktvalidität des KoBelA.

Die klinische Validität (Zusammenhänge mit klinischen Reaktionsbildungen wie z.B. psychosomatische Beschwerden, Depressivität, Angstscores, medizinischer Ressourcenverbrauch im AU-Geschehen) des KoBelA ist besonders gut.

Die Gütekriterien des KoBelA weisen das Instrument als besonders geeignet aus zur Erfassung von arbeitsbezogenen Problembereichen, die auch für die klinische Symptomatik von Bedeutung sind.

Schlüsselwörter
Arbeitsbelastungen
Assessmentinstrumente
Psychosomatik

Literatur

Kern H, Schumann M (1970) Industriearbeit und Arbeiterbewusstsein. Frankfurt am Main, Europäische Verlagsanstalt.

Koch U, Laschinsky D (1979) Ein Fragebogen zur Erfassung der Situation am Arbeitsplatz und in der Familie (KOLA). Psychologie und Praxis, 23, 165-173.

Leidig S (2003) Arbeitsbedingungen und psychische Störungen. Inauguraldissertation an der Johannes-Gutenberg_Universität Mainz. Lengerich, Pabst Science Publishers.

Zielke M, Leidig S. (2004 i.V.) KoBelA: Fragebogen zur Erfassung der Kompetenzen und Belastungen am Arbeitsplatz. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Heft 66, Lengerich, Pabst Science Publishers.

Zielke M, Borgart EJ, Carls W, Herder F, Kirchner F, Kneip V, Lebenhagen J, Leidig S, Limbacher K, Lippert S, Meermann R, Reschenberg I & Schwickerath J (2001) Krankheitsverhalten und sozialmedizinische Problemstellungen bei Patienten vor dem Beginn stationärer Verhaltenstherapie. Lengerich, Pabst Science Publishers.

Zielke M, Borgart EJ, Carls W, Herder F, Lebenhagen J, Leidig S, Limbacher K, Meermann R, Reschenberg I & Schwickerath J (2004 im Druck) Gesundheitsökonomie psychosomatischer Erkrankungen -Krankheitsverhalten und Ressourcenverbrauch in der Psychosomatik und Ergebnisse verhaltensmedizinischer Behandlung und Rehabilitation unter gesundheitsökonomischen Aspekten. Lengerich, Pabst Science Publishers.